Wolfgang-Andreas Schultz
Home
Lebenslauf
Werkverzeichnis
Publikationen
Einspielungen
Audio-Archiv
Verlagskontakte
Gedanken zur Ästhetik
Bilder
Aktuelle Aufführungen
 

zurück zum gesamten Werkverzeichnis

Die Schöpfung ist zur Ruh gegangen

Motette für Solo-Sopran nach einem Text von Dschelaleddin Rumi in der Übersetzung von Friedrich Rückert (1991)

Die Solo-Motette "Die Schöpfung ist zur Ruh gegangen" entstand 1991 auf Anregung der Sängerin Julia Barthe und wurde in der Osternacht in der Hamburger St. Katharinen-Kirche uraufgeführt. Vielleicht kann man sie als eine kleine einstimmige Symphonie betrachten: verschiedene Themen verbinden sich in der Linie zu einem großen melodischen Bogen. In den Ornamenten werden diskret Dreiviertelton-Schritte benutzt, wie sie in der klassischen persischen Musik vorkommen, um die orientalische Atmosphäre anzudeuten: Rumi ist einer der wichtigsten Dichter und Mystiker des mittelalterlichen Persiens.

Die Schöpfung ist zur Ruh gegangen, o wach in mir!
Es will der Schlaf auch mich befangen, o wach in mir!
Du Auge, das am Himmel wachet mit Sternenblick,
Wenn mir die Augen zugegangen, o wach in mir!
Du Licht, im Äther höher strahlend als Sonn und Mond,
Wenn Sonn und Mond ist ausgegangen, o wach in mir!
Wenn sich der Sinne Tor geschlossen der Außenwelt,
So laß die Seel in sich nicht bangen, o wach in mir!
Laß nicht die Macht der Finsternisse, das Graun der Nacht,
Sieg übers innre Licht erlangen, o wach in mir!
O laß im feuchten Hauch der Nächte, im Schattenduft,
Nicht sprossen sündiges Verlangen, o wach in mir!
Laß aus dem Duft von Edens Zweigen in meinem Traum
Die Frucht des Lebens niederhangen, o wach in mir!
O zeige mir, mich zu erquicken, im Traum das Werk,
Geendet, das ich angefangen, o wach in mir!
In deinem Schoße will ich schlummern, bis neu mich weckt,
Die Morgenröte deiner Wangen, o wach in mir!