Wolfgang-Andreas Schultz
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Gethsemane - Motette für gemischten Chor

Variationen über ein Thema von Brahms

Textgrundlage ist eine Verbindung von Teilen der Passions-Geschichte aus dem Matthäus- und dem Markus-Evangelium mit Strophen aus dem Gedicht "Trauergesang von der Not Christi am Ölberg in dem Garten" des Barockdichters Friedrich von Spee.

Das Thema von Johannes Brahms ist das Lied "In stiller Nacht" aus "Deutsche Volkslieder" in der Fassung für gemischten Chor. Diesem Lied liegen die erste und die beiden letzten Strophen des Gedichts von Friedrich von Spee zugrunde.

Jesus und seine Jünger kamen zu einem Garten mit Namen Gethsemane. Und er nahm zu sich Petrus und Jakobus und Johannes und fing an, zu zittern und zu zagen.

In stiller Nacht, zur ersten Wacht,
Ein Stimm hub an zu klagen.
Ich nahm in acht, was sie doch sagt,
Tat hin mit Augen schlagen.

Und sprach zu Ihnen: "Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibet hier und wachet!"

Das war der liebe Gottessohn,
sein Haupt er hat in Armen,
Viel weiß- und bleicher denn der Mon,
Eim Stein es möcht erbarmen.

Und ging hin ein wenig, fiel nieder auf sein Angesicht und betete, dass, so es möglich wäre, die Stunde vorüberginge. "Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst."

Ach Vater, liebster Vater mein,
Und muss den Kelch ich trinken?
Und mags dann ja nit anders sein,
Mein Seel nit lass versinken.

Und kam und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: "Simon,schläfst du? Vermochtest Du nicht, eine Stunde zu wachen?" Und ging wieder hin und betete und sprach dieselben Worte.

Ach Vater mein, und kanns nit sein,
Und muss ich's je dann wagen,
Will trinken rein den Kelch allein,
Kann dir's ja nit versagen.
Doch Sinn und Mut erschrecken tut.
Soll ich mein Leben lassen?
O bittrer Tod! Mein Angst und Not
Ist über alle Maßen.

Und er kam wieder und fand sie schlafend, und ihre Augen waren voll Schlafs. Und er ließ sie und ging abermals hin und redete dieselben Worte.

Ade, ade, zu guter Nacht,
Maria Mutter milde!
Ist niemand, der dann mit mir wacht
In dieser Wüsten wilde?
Ein Kreuz mir für den Augen schwebt,
O weh der Pein und Schmerzen,
Dran soll ich morgen wer'n erhebt,
Das greifet mir zum Herzen.
Zu Gott hab ich gerufen zwar
Aus tiefen Todes Banden:
Dennoch ich bleib verlassen gar,
Ist Hilf noch Trost vorhanden.

Und er kam zum dritten Mal und sprach zu ihnen: "Ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen? Es ist genug; die Stunde ist gekommen: Siehe, der mich verrät, ist nahe!"

Der schöne Mon will untergohn,
Für Leid nit mehr mag scheinen,
Die Sterne lahn ihr Glitzern stahn,
Mit mir sie wollen weinen.
Kein Vogelsang noch Freudenklang
Man höret in den Lüften.
Die wilden Tier traurn auch mit mir
In Steinen und in Klüften.

Entstanden 2016/17