Wolfgang-Andreas Schultz
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Das Magische Theater

Ein Doppelkonzert für Violoncello, Klavier und Streichorchester

Besetzung:

10 Violinen (ohne Aufteilung in Violine 1 und 2), 4 Violen, 3 Violoncelli, 1 Kontrabaß.

Dauer:

etwa 30 Minuten

Wir können uns die beiden Solisten als zwei Menschen vorstellen, die auf einer imaginären Bühne agieren. Das Klavier, das ja klanglich außerhalb des Streichorchesters steht, stellt einen verzweifelten, vereinsamten, mit sich selbst und der Welt zerfallenen Menschen dar, den ich in Anlehnung an Hermann Hesses Roman einen „Steppenwolf“ nennen möchte. Das Violoncello, das dem Streichorchester sehr nah ist, stellt einen indischen Weisen dar (seine Musik ist stark von indischer Musik beeinflußt), der ein „Magisches Theater“ betreibt (auch das eine Idee aus Hesses Roman), ein Theater auf dem Theater gleichsam, und der den Steppenwolf ins Leben zurückführt. Das Orchester ist also dem Weisen und seinem Theater zugeordnet und unterstützt das Violoncello.

Der Verlauf des Stückes im Einzelnen stellt sich wie folgt dar:

T. 1:Der Steppenwolf, seelisch ganz am Ende.
T. 8:Zwischenspiel des Orchesters – ein einzelner Ton wird mit feinen Veränderungen umkreist, die Wahrnehmung fokussiert sich gleichsam auf Mikrostrukturen und schafft dadurch Distanz zum Geschehen im Sinne der buddhistischen Achtsamkeits-Meditation.
T. 23:Der Verzweiflungsmonolog des Steppenwolfs; darin eingeflochten sind Motive (T. 32, 34 – 35 und 37 bis 38), die sich später zum Thema des gewandelten Steppenwolfs zusammenfügen.
T. 86:Meditative Distanznahme.
T. 99:Das Portal des Theaters und das Erstaunen des Steppenwolfs.
T. 108:Der indische Weise in meditativer Versenkung.
T. 122:Der Weise bereitet das erste Theaterbild vor.
T. 145:Erstes Theaterbild: Ein Thema von Schubert, die Rede des Todes aus dem Lied „Der Tod und das Mädchen“:
„Gib deine Hand, du schön und zart Gebild!
Bin Freund, und komme nicht, zu strafen.
Sei guten Muts! Ich bin nicht wild,
sollst sanft in meinen Armen schlafen!“
T. 164:Der Weise bereitet das zweite Theaterbild vor.
T. 183:Zweites Theaterbild, zugleich 1. Variation über das Schubert-Thema: Karneval und Masken.
T. 202:Der Weise bereitet das dritte Theaterbild vor.
T. 220:Drittes Theaterbild, 2. Variation: die Liebe.
T. 239:Der Weise bereitet das vierte Theaterbild vor.
T. 261:Viertes Theaterbild, 3. Variation: die Dämonen des eigenen Innern.
T. 280: Zunächst ziehen die Dämonen die Aufmerksamkeit des Steppenwolfs auf sich, zu ihrer Welt findet er spontan Zugang.
T. 301:Der Blick wendet sich noch einmal dem Theater zu.
T. 306:Meditative Distanznahme.
T. 327:Der Weg ins Leben, 1. Abschnitt: Der Steppenwolf durchlebt, begleitet vom Weisen, die Welt des Karnevals und probiert die Masken – Durchführung der Motive der 1. Variation.
T. 411:Der Weg ins Leben, 2. Abschnitt: Der Steppenwolf begegnet der Liebe – Durchführung der Motive der 2. Variation.
T. 453:Der Weg ins Leben, 3. Abschnitt: Der Steppenwolf begegnet den Dämonen des eigenen Innern – Durchführung der Motive der 3. Variation.
T. 527:Todespunkt – ein Ritual: das Aufgeben und Loslassen des bisherigen Selbst-Bildes, ein Art Todeserfahrung.
T. 549:Meditative Distanznahme.
T. 566:Befreiung des inneren, göttlichen Kerns des ehemaligen Steppenwolfs, Wandlung und Neugeburt. Das Klavier greift die im Verzweiflungsmonolog versteckten Motive auf und fügt sie zu einem Thema zusammen, das einen Obertonklang umschreibt.

Entstanden 2008/09 auf Anregung des Pianisten Andreas Frölich.

Verlag: Benjamin – Boosey&Hawkes, Berlin