Wolfgang-Andreas Schultz
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Capriccio notturno

für Bläserquintett (1984)

Das "Capriccio notturno" erzählt ein kleines Märchen. Die Instrumente sind nämlich so behandelt, daß jedes - vom Fagott abgesehn, das nur andere parodiert - seine eigenen Motive besitzt, daß es sich gleichsam um ein Quintett aus fünf Individuen handelt, die sich nur durch Töne ausdrücken können. Wenn man sich als Besetzung vorstellt: Die Prinzessin (Flöte), der Prinz (Oboe), der Intrigant (Klarinette), der Liebhaber (Horn) und der Kobold (Fagott), dann könnte folgendes Märchen zu dem Stück passen:

Milde Sommernacht. Plötzlich tritt der Liebhaber hervor und will vor dem Fenster der Prinzessin ein Ständchen bringen, wird aber von dem frechen Kobold dauernd gestört, bis es ihm gelingt, den Kobold zu verjagen und das Ständchen ungestört vorzutragen. Die Prinzessin tritt ans Fenster - aber trotz innigen Flehens erhört sie seine Werbung nicht und weist ihn ab. Der Liebhaber gerät in Verzweiflung und unter wilden Verwünschungen verläßt er den Ort.

Die Prinzessin tritt vor den Palast und genießt die schöne Sommernacht. Wie schon einmal, als der Liebhaber abgewiesen wurde, schaut der Intrigant aus seinem Versteck hervor und beobachtet die Szene.

Da kommt der Prinz, Prinz und Prinzessin begrüßen sich herzlich, wieder beobachtet vom Intriganten. Die Prinzessin wird etwas unruhig, dann kommt es aber doch zu einer kleinen Liebesszene.

Nun beginnt der Intrigant um das Paar herunzuschleichen, - beide geraten in Unruhe und Angst, und von ferne hört man den abgewiesenen Liebhaber zurückkommen. Die Situation wird immer bedrohlicher, schließlich stürzt der Liebhaber hervor, unterstützt vom Kobold und vom Intriganten, und entführt die Prinzessin.

Der Prinz bleibt allein in seiner Verzweiflung zurück. Lange Klage und wehmütige Erinnerung. Dann begibt sich der Prinz auf die Wanderschaft, um die Prinzessin zu suchen. Zuerst stellt sich ihm der Intrigant in den Weg, der Prinz aber kann den Weg fortsetzen; danach versucht der Kobold ihn aufzuhalten; während des dritten Abschnitts seiner Irrfahrt hat die Prinzessin in der Ferne den nahenden Prinzen entdeckt und winkt ihm zu. Der Liebhaber versucht noch, dem Prinzen den Weg zu verstellen, es kommt zu einem großen Getümmel, Prinz und Prinzessin finden sich wieder – da ertönt das Nachtwächter-Horn und macht dem ganzen Spuk ein Ende. Einige Erinnerungen blitzen auf, dann versinkt alles in der Sommernacht.